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der Pferdetherapeut Wolfgang Gnesner
Wolfgang Gnesner als Speedwayrennfahrer

Interview

Wolfgang

Gnesners

Werdegang

und

warum

er

nicht

Pferdeflüsterer

genannt werden möchte.

Wenn

man

Sie

bei

der

Arbeit

mit

den

Pferden

beobachtet

und

schaut

wie

sie

mit

ihnen

kommunizieren,

spricht

jeder

von

„Pferdeflüsterer“.

Warum

lassen

Sie

es

nicht

zu,

dass

man

sie

auch

Pferdeflüsterer nennt?

Wolfgang Gnesner: Pferdeflüsterer sind etwas Mystisches, etwas ganz Außergewöhnliches! Es gibt glaube ich, nur ganz wenige Menschen auf dieser Welt die diesen Ausdruck auch wirklich verdienen! Ich würde mich nie mit diesen außergewöhnlichen Menschen auf eine Stufe stellen! Wobei ich natürlich meine eigene Arbeit nicht unter den Scheffel stellen würde! Um diese Arbeit zu verrichten, braucht man sicherlich eine hohe Sensibilität und Kommunikationsfähigkeit, um mit den Pferden kommunizieren zu können. Diese hohe Sensibilität habe ich natürlich, sonst würde meine Arbeit auch nicht funktionieren!

Sie

setzen

sich

aber

auch

mit

dem

Ausdruck

Pferdeflüsterer

sehr

kritisch

auseinander

und

weigern sich ja regelrecht so genannt zu werden!

Wolfgang Gnesner: Schauen Sie, wo Monty Roberts bzw. der Pferdeflüsterer Kinofilm auf den Markt kam, sprangen viele auf diesen Zug und versuchten damit Geld zu machen! Ich fand es sehr verwerflich! Die meisten von den "Pferdeflüsterern" haben es noch nicht einmal im Ansatz verstanden, was da passiert und viele haben durch ihre schlechte Arbeit den Ruf regelrecht kaputt gemacht! Ich habe vor den echten Pferdeflüsterern großen Respekt, auch wenn ich schon Jahre davor, diese humane Ausbildungsform selber in ähnlicher Form zelebrierte und damit großen Erfolg bei Pferden hatte. Da kannte keiner einen Monty Roberts oder den Pferdeflüsterer! Im Übrigen hat der Kinofilm wirklich nicht viel mit unserer Arbeit zu tun.

In

einem

Vorgespräch

sagten

Sie

mir,

dass

Sie

aber

seitdem

der

Pferdeflüsterer

auf

dem

Markt

ist

dieses

auch bewusster einsetzen!

Wolfgang Gnesner: Ja das ist vollkommen richtig! Ich wurde von meinen „Kollegen“ immer belächelt und alles was nicht mit der kommerziellen Ausbildungsmethode zu tun hatte wurde unter “tricksen” abgehandelt! Ich hatte deswegen einen relativ schlechten Ruf. Einige Kollegen waren überhaupt nicht gut auf mich zu sprechen, zumal ich dann die Pferde auch noch wieder so hinbekommen habe, dass sie schnell wieder funktionierten. Wenn Ausbilder ihren Kunden sagen, verkaufe dieses Pferd, das hat alles keinen Zweck und ich bekomme das Pferd dann doch hin, dann stehen meine Kollegen natürlich etwas dumm da.

Was würden Sie dann Ihren Kollegen raten?

Wolfgang Gnesner: Es gibt keinen Ausbilder der alles kann. Aber dadurch dass ich meine Fähigkeiten spezialisiert habe und mich fast ausschließlich nur mit schwierigen Pferden bzw. mit reiterlichen Problemen auseinandersetze, sehe ich mich nicht als Konkurrenten meiner Kollegen. Im Gegenteil, “meine Art” ist eine nützliche Bereicherung. Pferdbesitzer kommen mit ihren Problemen zu mir und wenn ich diese gelöst habe, gehen sie meist zu ihren Ausbildern zurück und setzten ihre Arbeit dort fort. Mittlerweile praktiziere ich dieses auch mit vielen Ausbildern. Andere haben es immer noch nicht verstanden und versuchen natürlich meinem Ruf maßgeblich zu schaden! Sie haben einfach Angst, eigene Kunden an mich zu verlieren! Aber wenn diese Ausbilder ihren Kunden nicht weiter helfen können, verlieren sie sie nach einiger Zeit doch und vor allem ganz, anstatt sich und ihren Kunden von mir helfen zulassen!

Wie kamen Sie dann auf die Idee es anders zu

machen?

Wolfgang Gnesner: In der Ausbildungsskala steht der Begriff “Losgelassenheit”. Diese „Losgelassenheit“ wurde bisher nur durch Reiten und deren entwickelnden Lektionen erreicht. Fast keiner der Ausbilder geht auf die Psyche der Pferde ein, weil sie meist keine Zeit dafür haben und es nicht mehr profitabel für die Ausbildungställe ist. Diese schwierig auszubildenden, guten Pferde, werden meist an die Freizeitreiter weitergereicht, die dann natürlich ihre Mühe mit diesen Pferden haben. Ich habe damals einige dieser Pferde gekauft und sie durch meine Methode relativ schnell wieder zu ihren Leistungen geführt! Durch diese Erfahrung habe ich mir auch schon bei der Grundausbildung Zeit gelassen, um auf die Psyche der Pferde einzugehen! Ich habe sie durch meine Methode so abgelenkt, dass sie gar nicht gemerkt haben, dass wir arbeiten. Dadurch werden sie leicht reitbar und problemlos im Umgang!

Was sagen Sie zu Monty Roberts und Andrea Kutsch?

Wolfgang Gnesner: Dank Monty Roberts, wurde die Art der „humanen Ausbildung“ salonfähig. Ich habe großen Respekt vor diesem wirklich außergewöhnlichen Mann. Das einzige was ich zu monieren habe ist, das Kommerzielle "kauft meine Bücher, kauft meine Videos, kommt in meine Shows und ihr könnt es auch". Wer ein ungehorsames-widersetzliches Pferd in einem engen Round Pen gesehen hat, oder auch Widersetzlichkeiten beim Verladen, weiß dass es auch zu äußerst gefährlichen Situationen kommen kann. Mit Andrea Kutsch habe ich schon einige Auseinandersetzungen gehabt. Sie ahmt zu 100 % Monty Roberts nach und haut ihn anschließend noch mit ihrer „gewaltfreien Akademie für Pferde“ in die Pfanne! Respektlos!

“Gewaltfreie Ausbildung” was heißt das eigentlich?

Wolfgang Gnesner: Es kann keiner so richtig erklären was eigentlich “gewaltfrei” heißt! Durch die Medien z.B. Cavallo usw. und deren meines Erachtens falschen Aufklärung, sind alle schon so sensibilisiert, dass wenn man stark am Halfter ruckt, sich die Leute schon aufregen! Es kann nicht sein , dass selbst wir, die die humane Ausbildungsform zelebrieren, schon als grob oder gewalttätig gelten. Es kommen ja fast nur Pferde zu mir, die nicht mehr zu händeln bzw. teilweise auch lebensgefählich sind. Wenn so ein widersetzliches, gestörtes, 600kg schweres Pferd auf mich zu kommt und mich “töten” will, dann kann ich es nicht erst in Sanftmut singen! Ich verhalte mich in solchen Situationen wie seine Artgenossen, als wenn sich ein fremdes Pferd nicht in die Herde eingliedern will. Dort geht es auch schon mal zur Sache” aber in der freien Natur würden sie sich nicht gegenseitig verletzen, es handelt sich mehr um Drohgebährten. Ich gebe zu, es sieht teilweise etwas wild aus, hat aber mit Gewalt oder sogar mit Schmerzen zufügen überhaupt nichts zu tun! “Respekt” schafft Vertrauen und das ist die nötige Basis einer guten Partnerschaft Mensch - Pferd, vor allem in der erfolgreichen Zusammenarbeit beider! Auch wenn ein Pferd sich erschreckt, muss es gelernt haben, einen Menschen nicht einfach umzurennen! Respekt ist erforderlich und dient vorallem der Unfallverhütung.

Sie haben einen etwas spektakulären Einstieg in die

Reiterei gehabt.

Wolfgang Gnesner: Ich bin ja schon Geburtsjahr 1958 und ich habe erst nach meiner Motorrad Rennfahrerlaufbahn mit 26 Jahren angefangen zu reiten. Ich bin von Anfang an frei geritten und lag daher in dem ersten halben Jahr meist im Dreck. Habe mir aber immer gesagt: “Wer beim Speedwayrennen ca. 30m unfallbedingt durch die Luft in die Zuschauertribühne fliegen kann und fast unverletzt bleibt, braucht keine Angst zu haben vom Pferd zu fallen!” Durch das “bewußte” Reiten lernen, habe ich jede meiner Ausbildungsphasen heute noch genau im Kopf und weiß genau wie der Reiter denkt und fühlt! Es fällt mir viel leichter auf die Denkstrukturen der Reiter einzugehen und dessen reiterliches Gedankengut wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Zum Beispiel bei der Angstbewältigung vorm-, bzw. beim Springen, bei hohen Hindernissen oder einfach die mentale Einstellung beim Reiten. Ich erkläre daher den Reitern viel! Meine Philosophie ist, nur wenn der Reiter die Notwendigkeit seines “Tuns” erkennt, erziele ich ein gutes Resultat! Da reicht halt ein “Hacken tief, die Hände ruhig und mehr vor, mehr zurück” nicht aus! Wenn ich in der Bahn stehe, bin ich bis in die Haarspitzen engagiert und Spaß haben wir allemal dabei!

Welchen Weg sind Sie bis heute gegangen und was

machen sie jetzt?

Wolfgang Gnesner: 1993 habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich pachtete das Gestüt Weide Grund bei Celle, um mich dem Reitsport effektiver zu widmen, allerdings musste ich mich auch um die Zuchtstuten und Fohlen von Anlagenbesitzer Dr. Klatt kümmern. Danach bekam ich ein Angebot als Chefbereiter –festes Gehalt- feste Arbeitszeiten-das war natürlich viel weniger Arbeit, wie auf dem Gestüt wo ich mich um alles kümmern musste! Anschließend bekam ich natürlich immer bessere Jobs, München- Regensburg usw… Recht abenteuerlich war der Job als Chefbereiter auf dem Hof Herrenberg- Odenwald, dort wurden Dressur Grand Prix Pferde aus Russland, für den deutschen Markt „hergerichtet“ Eine etwas dubiose Zeit aber auch sehr lehrreich, was die Toppferde anging! Den besten Job hatte ich allerdings bei einem überdimensional reichen deutschen Prominenten. Den deutschen Top Geheimagenten Richard Nelson alias Werner Mauss. Diese Reitanlage ist einmalig in Europa und alle die im Sport was zu sagen hatten, waren da und haben nur gestaunt! Ich trainierte die ganze Familie, musste für internationale hochrangige Politiker Pferdevorführungen auf der Reitanlage (Peter Fröhlich u. sein Zauberwald- Sissi- Dressur- Springen usw.) organisieren und wir tingelten VIP Turnier mäßig durch ganz Europa. Allerdings war es für mich der „goldene Käfig“ und irgendwann war ich satt, mit dem Hubschrauber irgendwo eingeflogen zu werden! Es waren tolle Erfolge-eine tolle Zeit, die ich mit der Familie hatte. Aber wenn’s am schönsten ist, soll man ja bekanntlich gehen. Danach habe ich nur noch das gemacht, was ich am besten kann, mich um die Pferde und Reiter gekümmert- mitunter war ich 6 Jahre lang, bis 2011 im Heimatverein von Markus Ehning in Borken Springtrainer. Ich gebe in den letzten Jahren wegen der höheren Effektivität aber nur noch Einzelunterricht in Dressur und in kleinen Gruppen Springunterricht. Dazu bin ich vermehrt in meinem Spezialgebiet für Problemfälle bei Reitern und Pferden unterwegs und halte unter anderem auch Vorträge. Seit 2016 gebe ich Shows über Reiter und Pferd, und bin damit der erste in Deutschland der eine Satire über die Reiterei bringt. Für 2018 sind Workshops am Pferd in planung, wo ich jeweils 3 unterschiedliche Pferde mit Problemen vor Publikum arbeite und zeige, wie man human, auch schwierige Pferde therapieren kann. Zudem arbeite ich immer mal wieder als Pferdeexperte für das Fernsehen.

Welche Ausbilder haben Sie dabei begleitet, um ihre

heutige Kompetenz zu erlangen?

Wolfgang Gnesner: Ich hatte das Glück durch meine Sponsoren, an wirklich gute Ausbilder zu kommen. Karsten Huck, Olympia Zweiter, prägend in der gymnastizierenden Bodenarbeit. Conny Kugler- Ziehsohn von Hans Günter Winkler, mit seiner sympathischen Art der Unterrichtsgebung. Desmond O- Brien von der Wiener Hofreitschule, Dressurausbildung in der Vollendung. Thies Kaspereit- Vielseitigkeit Olympia Mannschaft Sieger, vielseitiges Ausbilden des Pferdes. Dirk Hafemeister, Mannschaftsspringen Olympiasieger, ein durchsetzungsstarker effektiver Ausbilder! Doppellongenausbildung und berittene Fahrschule, gelernt bei Celler Gestütswärtern. Bill Bassham USA, der Mann nach Monty Roberts - humane Ausbildung statt Show. Und nicht zu vergessen meine Freundin Linda Tellington Jones, jeder Zeit einen guten Rat zu haben! Diese Ausbilder waren maßgeblich daran beteiligt, dass ich Dressur bis M Kat.A und Springen bis zur Klasse S geritten bin und heute erfolgreich Reiter und Pferd ausbilden kann. Aber am meisten haben mir die unzähligen Pferde jeden Tag von neuem gezeigt, dass was für das eine Pferd richtig ist, für das andere Pferd schon total falsch sein kann. Jedes einzelne Pferd hat mir soviel beigebracht, dass ich heute über einen hohen Erfahrungsschatz verfüge!