© Copyright 2018 Wolfgang Gnesner - der Pferdetherapeut
der Pferdetherapeut Wolfgang Gnesner
Wolfgang Gnesner als Speedwayrennfahrer

Interview

Wolfgang    

Gnesners    

Werdegang    

und

warum      

er      

nicht      

Pferdeflüsterer

genannt werden möchte.

Wenn    

man    

Sie    

bei    

der    

Arbeit    

mit    

den    

Pferden

beobachtet      

und      

schaut      

wie      

sie      

mit      

ihnen

kommunizieren,  

spricht  

jeder  

von  

„Pferdeflüsterer“.

Warum   

lassen   

Sie   

es   

nicht   

zu,   

dass   

man   

sie   

auch

Pferdeflüsterer nennt?

Wolfgang   Gnesner:    Pferdeflüsterer   sind   etwas   Mystisches,   etwas ganz    Außergewöhnliches!    Es    gibt    glaube    ich,    nur    ganz    wenige Menschen    auf    dieser    Welt    die    diesen    Ausdruck    auch    wirklich verdienen!    Ich    würde    mich    nie    mit    diesen    außergewöhnlichen Menschen   auf   eine   Stufe   stellen!   Wobei   ich   natürlich   meine   eigene Arbeit   nicht   unter   den   Scheffel   stellen   würde!   Um   diese   Arbeit   zu verrichten,    braucht    man    sicherlich    eine    hohe    Sensibilität    und Kommunikationsfähigkeit,   um   mit   den   Pferden   kommunizieren   zu können.   Diese   hohe   Sensibilität   habe   ich   natürlich,   sonst   würde meine Arbeit auch nicht funktionieren!

Sie    

setzen    

sich    

aber    

auch    

mit    

dem    

Ausdruck

Pferdeflüsterer     

sehr     

kritisch     

auseinander     

und

weigern sich ja regelrecht so genannt zu werden!

Wolfgang    Gnesner:     Schauen    Sie,    wo    Monty    Roberts    bzw.    der Pferdeflüsterer   Kinofilm   auf   den   Markt   kam,   sprangen   viele   auf diesen   Zug   und   versuchten   damit   Geld   zu   machen!   Ich   fand   es   sehr verwerflich!   Die   meisten   von   den   "Pferdeflüsterern"   haben   es   noch nicht    einmal    im    Ansatz    verstanden,    was    da    passiert    und    viele haben    durch    ihre    schlechte    Arbeit    den    Ruf    regelrecht    kaputt gemacht!     Ich     habe     vor     den     echten     Pferdeflüsterern     großen Respekt,     auch     wenn     ich     schon     Jahre     davor,     diese     humane Ausbildungsform   selber   in   ähnlicher   Form   zelebrierte   und   damit großen   Erfolg   bei   Pferden   hatte.   Da   kannte   keiner   einen   Monty Roberts    oder    den    Pferdeflüsterer!    Im    Übrigen    hat    der    Kinofilm wirklich nicht viel mit unserer Arbeit zu tun.

In  

einem  

Vorgespräch  

sagten  

Sie  

mir,  

dass  

Sie  

aber

seitdem  

der  

Pferdeflüsterer  

auf  

dem  

Markt  

ist  

dieses

auch bewusster einsetzen!

Wolfgang   Gnesner:    Ja   das   ist   vollkommen   richtig!   Ich   wurde   von meinen   „Kollegen“   immer   belächelt   und   alles   was   nicht   mit   der kommerziellen    Ausbildungsmethode    zu    tun    hatte    wurde    unter “tricksen”   abgehandelt!   Ich   hatte   deswegen   einen   relativ   schlechten Ruf.    Einige    Kollegen    waren    überhaupt    nicht    gut    auf    mich    zu sprechen,    zumal    ich    dann    die    Pferde    auch    noch    wieder    so hinbekommen   habe,   dass   sie   schnell   wieder   funktionierten.   Wenn Ausbilder   ihren   Kunden   sagen,   verkaufe   dieses   Pferd,   das   hat   alles keinen   Zweck   und   ich   bekomme   das   Pferd   dann   doch   hin,   dann stehen meine Kollegen natürlich etwas dumm da.

Was würden Sie dann Ihren Kollegen raten?

Wolfgang   Gnesner:   Es   gibt   keinen   Ausbilder   der   alles   kann.   Aber dadurch   dass   ich   meine   Fähigkeiten   spezialisiert   habe   und   mich fast     ausschließlich     nur     mit     schwierigen     Pferden     bzw.     mit reiterlichen   Problemen   auseinandersetze,   sehe   ich   mich   nicht   als Konkurrenten   meiner   Kollegen.   Im   Gegenteil,   “meine   Art”   ist   eine nützliche      Bereicherung.      Pferdbesitzer      kommen      mit      ihren Problemen   zu   mir   und   wenn   ich   diese   gelöst   habe,   gehen   sie   meist zu    ihren    Ausbildern    zurück    und    setzten    ihre    Arbeit    dort    fort. Mittlerweile    praktiziere    ich    dieses    auch    mit    vielen    Ausbildern. Andere    haben    es    immer    noch    nicht    verstanden    und    versuchen natürlich   meinem   Ruf   maßgeblich   zu   schaden!   Sie   haben   einfach Angst,    eigene    Kunden    an    mich    zu    verlieren!    Aber    wenn    diese Ausbilder   ihren   Kunden   nicht   weiter   helfen   können,   verlieren   sie sie   nach   einiger   Zeit   doch   und   vor   allem   ganz,   anstatt   sich   und ihren Kunden von mir helfen zulassen!

Wie kamen Sie dann auf die Idee es anders zu

machen?

Wolfgang    Gnesner:    In    der    Ausbildungsskala    steht    der    Begriff “Losgelassenheit”.      Diese   „Losgelassenheit“   wurde   bisher   nur   durch Reiten   und   deren   entwickelnden   Lektionen   erreicht.   Fast   keiner   der Ausbilder   geht   auf   die   Psyche   der   Pferde   ein,   weil   sie   meist   keine Zeit     dafür     haben     und     es     nicht     mehr     profitabel     für     die Ausbildungställe   ist.   Diese   schwierig   auszubildenden,   guten   Pferde, werden     meist     an     die     Freizeitreiter     weitergereicht,     die     dann natürlich   ihre   Mühe   mit   diesen   Pferden   haben.      Ich   habe   damals einige   dieser   Pferde   gekauft   und   sie   durch   meine   Methode   relativ schnell   wieder   zu   ihren   Leistungen   geführt!   Durch   diese   Erfahrung     habe   ich   mir   auch   schon   bei   der   Grundausbildung   Zeit   gelassen, um    auf    die    Psyche    der    Pferde    einzugehen!    Ich    habe    sie    durch meine   Methode   so   abgelenkt,   dass   sie   gar   nicht   gemerkt   haben, dass     wir     arbeiten.     Dadurch     werden     sie     leicht     reitbar     und problemlos im Umgang!

Was sagen Sie zu Monty Roberts und Andrea Kutsch?

Wolfgang    Gnesner:    Dank    Monty    Roberts,    wurde    die    Art    der „humanen   Ausbildung“   salonfähig.   Ich   habe   großen   Respekt   vor diesem   wirklich   außergewöhnlichen   Mann.   Das   einzige   was   ich   zu monieren   habe   ist,   das   Kommerzielle   "kauft   meine   Bücher,   kauft meine   Videos,   kommt   in   meine   Shows   und   ihr   könnt   es   auch".   Wer ein    ungehorsames-widersetzliches    Pferd    in    einem    engen    Round Pen   gesehen   hat,   oder   auch   Widersetzlichkeiten   beim   Verladen, weiß   dass   es   auch   zu   äußerst   gefährlichen   Situationen   kommen kann.        Mit        Andrea        Kutsch        habe        ich        schon        einige Auseinandersetzungen   gehabt.   Sie   ahmt   zu   100   %   Monty   Roberts nach    und    haut    ihn    anschließend    noch    mit    ihrer    „gewaltfreien Akademie für Pferde“ in die Pfanne! Respektlos!

“Gewaltfreie Ausbildung” was  heißt das eigentlich?

Wolfgang   Gnesner:    Es   kann   keiner   so   richtig   erklären   was   eigentlich “gewaltfrei”   heißt!   Durch   die   Medien   z.B.   Cavallo   usw.      und   deren meines     Erachtens     falschen     Aufklärung,     sind     alle     schon     so sensibilisiert,   dass      wenn   man   stark   am   Halfter   ruckt,   sich   die   Leute schon    aufregen!    Es    kann    nicht    sein    ,    dass    selbst    wir,    die    die humane     Ausbildungsform     zelebrieren,     schon     als     grob     oder gewalttätig   gelten.   Es   kommen   ja   fast   nur   Pferde   zu   mir,   die   nicht mehr   zu   händeln   bzw.   teilweise   auch   lebensgefählich   sind.   Wenn so   ein   widersetzliches,   gestörtes,   600kg   schweres   Pferd      auf   mich zu   kommt   und   mich   “töten”   will,   dann   kann   ich   es   nicht   erst   in Sanftmut   singen!   Ich   verhalte   mich   in   solchen   Situationen   wie   seine Artgenossen,   als   wenn   sich   ein   fremdes   Pferd   nicht   in   die   Herde eingliedern   will.   Dort      geht   es   auch   schon   mal   zur   “   Sache”   aber   in der   freien   Natur   würden   sie   sich   nicht   gegenseitig   verletzen,   es handelt    sich    mehr    um    Drohgebährten.    Ich    gebe    zu,    es    sieht teilweise    etwas    wild    aus,    hat    aber    mit    Gewalt    oder    sogar    mit Schmerzen    zufügen    überhaupt    nichts    zu    tun!    “Respekt”    schafft Vertrauen   und   das   ist   die   nötige   Basis   einer   guten   Partnerschaft Mensch   -   Pferd,   vor   allem   in   der   erfolgreichen   Zusammenarbeit beider!    Auch    wenn    ein    Pferd    sich    erschreckt,    muss    es    gelernt haben,    einen    Menschen    nicht    einfach    umzurennen!    Respekt    ist erforderlich und dient vorallem der Unfallverhütung.

Sie haben einen etwas spektakulären Einstieg in die

Reiterei gehabt.

Wolfgang   Gnesner:    Ich   bin   ja      schon   Geburtsjahr   1958   und   ich   habe erst    nach    meiner    Motorrad    Rennfahrerlaufbahn    mit    26    Jahren angefangen   zu   reiten.   Ich   bin   von   Anfang   an   frei   geritten   und   lag daher   in   dem   ersten   halben   Jahr   meist   im   Dreck.   Habe   mir   aber immer   gesagt:      “Wer   beim   Speedwayrennen   ca.   30m   unfallbedingt durch    die    Luft    in    die    Zuschauertribühne    fliegen    kann    und    fast unverletzt    bleibt,        braucht    keine    Angst    zu    haben    vom    Pferd    zu fallen!”   Durch   das   “bewußte”   Reiten   lernen,   habe   ich   jede   meiner Ausbildungsphasen   heute   noch   genau   im   Kopf   und   weiß   genau   wie der    Reiter    denkt    und    fühlt!    Es    fällt    mir    viel    leichter    auf    die Denkstrukturen    der    Reiter    einzugehen    und    dessen    reiterliches Gedankengut    wieder    auf    den    richtigen    Weg    zu    bringen.    Zum Beispiel   bei   der   Angstbewältigung   vorm-,   bzw.   beim   Springen,   bei hohen    Hindernissen    oder    einfach    die    mentale    Einstellung    beim Reiten.   Ich   erkläre   daher   den   Reitern   viel!   Meine   Philosophie   ist, nur    wenn    der    Reiter    die    Notwendigkeit    seines    “Tuns”    erkennt, erziele   ich   ein   gutes   Resultat!   Da   reicht   halt   ein   “Hacken   tief,   die Hände   ruhig   und   mehr   vor,   mehr   zurück”   nicht   aus!   Wenn   ich   in der   Bahn   stehe,   bin   ich   bis   in   die   Haarspitzen   engagiert   und   Spaß haben wir allemal dabei!

Welchen Weg sind Sie bis heute gegangen und was

machen sie jetzt?

Wolfgang    Gnesner:         1993    habe    ich    mein    Hobby    zum    Beruf gemacht.   Ich   pachtete   das   Gestüt   Weide   Grund   bei   Celle,   um   mich dem   Reitsport   effektiver   zu   widmen,   allerdings   musste   ich   mich auch   um   die   Zuchtstuten   und   Fohlen   von   Anlagenbesitzer   Dr.   Klatt     kümmern.   Danach   bekam   ich   ein   Angebot   als   Chefbereiter   –festes Gehalt-   feste   Arbeitszeiten-das   war   natürlich   viel   weniger   Arbeit, wie    auf    dem    Gestüt    wo    ich    mich    um    alles    kümmern    musste! Anschließend   bekam   ich   natürlich   immer   bessere   Jobs,   München-     Regensburg   usw…   Recht   abenteuerlich   war   der   Job   als   Chefbereiter auf   dem   Hof   Herrenberg-   Odenwald,   dort   wurden   Dressur   Grand Prix   Pferde   aus   Russland,   für   den   deutschen   Markt   „hergerichtet“ Eine     etwas     dubiose     Zeit     aber     auch     sehr     lehrreich,     was     die Toppferde   anging!   Den   besten   Job   hatte   ich   allerdings   bei   einem überdimensional   reichen   deutschen   Prominenten.   Den   deutschen Top    Geheimagenten    Richard    Nelson    alias    Werner    Mauss.    Diese Reitanlage    ist    einmalig    in    Europa    und    alle    die    im    Sport    was    zu sagen   hatten,   waren   da   und   haben   nur   gestaunt!   Ich   trainierte   die ganze    Familie,    musste    für    internationale    hochrangige    Politiker Pferdevorführungen    auf    der    Reitanlage    (Peter    Fröhlich    u.    sein Zauberwald-   Sissi-   Dressur-   Springen   usw.)   organisieren   und   wir tingelten   VIP   Turnier   mäßig   durch   ganz   Europa.   Allerdings   war   es für   mich   der   „goldene   Käfig“   und   irgendwann   war   ich   satt,   mit   dem Hubschrauber    irgendwo    eingeflogen    zu    werden!    Es    waren    tolle Erfolge-eine   tolle   Zeit,   die   ich   mit   der   Familie   hatte.   Aber   wenn’s   am schönsten   ist,   soll   man   ja   bekanntlich   gehen.   Danach   habe   ich   nur noch   das   gemacht,   was   ich   am   besten   kann,   mich   um   die   Pferde und   Reiter   gekümmert-   mitunter   war   ich   6   Jahre   lang,   bis   2011   im Heimatverein   von   Markus   Ehning   in   Borken   Springtrainer.   Ich   gebe in   den   letzten   Jahren   wegen   der   höheren   Effektivität   aber   nur   noch Einzelunterricht       in       Dressur       und       in       kleinen       Gruppen Springunterricht.   Dazu   bin   ich   vermehrt   in   meinem   Spezialgebiet für   Problemfälle   bei   Reitern   und   Pferden      unterwegs   und   halte unter    anderem    auch    Vorträge.    Seit    2016    gebe    ich    Shows    über Reiter   und   Pferd,   und   bin   damit   der   erste   in   Deutschland   der   eine Satire   über   die   Reiterei   bringt.   Für   2018   sind   Workshops   am   Pferd in   planung,   wo   ich   jeweils   3   unterschiedliche   Pferde   mit   Problemen vor   Publikum   arbeite   und   zeige,   wie   man   human,   auch   schwierige Pferde   therapieren   kann.   Zudem   arbeite   ich   immer   mal   wieder   als Pferdeexperte für das Fernsehen.

Welche Ausbilder haben Sie dabei begleitet, um ihre

heutige Kompetenz zu erlangen?

Wolfgang   Gnesner:    Ich   hatte   das   Glück   durch   meine   Sponsoren,   an wirklich    gute    Ausbilder    zu    kommen.    Karsten    Huck,        Olympia Zweiter,    prägend    in    der    gymnastizierenden    Bodenarbeit.    Conny Kugler-      Ziehsohn      von      Hans      Günter      Winkler,      mit      seiner        sympathischen   Art   der   Unterrichtsgebung.   Desmond   O-   Brien   von der    Wiener    Hofreitschule,    Dressurausbildung    in    der    Vollendung. Thies      Kaspereit-      Vielseitigkeit      Olympia      Mannschaft      Sieger, vielseitiges        Ausbilden        des        Pferdes.        Dirk        Hafemeister, Mannschaftsspringen     Olympiasieger,     ein     durchsetzungsstarker effektiver      Ausbilder!      Doppellongenausbildung      und      berittene Fahrschule,   gelernt   bei   Celler   Gestütswärtern.               Bill   Bassham   USA, der   Mann   nach   Monty   Roberts   -   humane   Ausbildung   statt   Show. Und    nicht    zu    vergessen    meine    Freundin    Linda    Tellington    Jones, jeder    Zeit    einen        guten    Rat    zu    haben!    Diese    Ausbilder    waren maßgeblich    daran    beteiligt,    dass    ich    Dressur    bis    M    Kat.A    und Springen   bis   zur   Klasse   S      gerittenen   bin   und   heute   erfolgreich Reiter   und   Pferd   ausbilden   kann.   Aber   am   meisten   haben   mir   die unzähligen   Pferde   jeden   Tag   von   neuem   gezeigt,   dass   was   für   das eine   Pferd   richtig   ist,   für   das   andere   Pferd   schon   total   falsch   sein kann.    Jedes    einzelne    Pferd    hat    mir    soviel    beigebracht,    dass    ich heute über einen hohen Erfahrungsschatz verfüge!  
Toll, dass wir Sie bis zum Ende der Seite fesseln konnten.