Blog
der Pferdetherapeut
© Copyright 2013 Reitanimation W.G.

Wolfgang Gnesner über seinen 

Werdegang, gewaltfreie Ausbildung

und warum er sich wehrt

Pferdeflüsterer genannt zu werden!

Wenn man Sie bei der Arbeit mit den Pferden beobachtet und schaut wie sie mit ihnen kommunizieren, spricht jeder von „Pferdeflüsterer“. Warum lassen Sie es nicht zu, dass man sie auch Pferdeflüsterer nennt? Wolfgang Gnesner: Pferdeflüsterer ist etwas Mystisches, was ganz Außergewöhnliches! Es gibt glaube ich, nur ganz wenige Menschen auf dieser Welt die diesen Ausdruck auch wirklich verdienen! Ich würde mich nie mit diesen außergewöhnlichen Menschen auf eine Stufe stellen! Wobei ich natürlich meine eigene Arbeit nicht unter den Scheffel stellen würde! Um diese Arbeit zu verrichten, braucht man sicherlich eine hohe Sensibilität und Kommunikationsfähigkeit, um mit den Pferden kommunizieren zu können. Diese hohe Sensibilität habe ich natürlich, sonst würde meine Arbeit auch nicht funktionieren!

Sie setzen sich aber auch mit dem Ausdruck

Pferdeflüsterer sehr kritisch auseinander und weigern sich

ja regelrecht so genannt zu werden!

Wolfgang Gnesner: Schauen Sie, wo Monty Roberts bzw. der Pferdeflüsterer Kinofilm auf den Markt kam, sprangen viele auf diesen Zug und versuchten damit Geld zu machen! Ich fand es sehr verwerflich! Die meisten von den "Pferdeflüsterern" haben es noch nicht einmal im Ansatz verstanden, was da passiert und viele haben durch ihre schlechte Arbeit den Ruf regelrecht kaputt gemacht! Ich habe vor den echten Pferdeflüsterern großen Respekt, auch wenn ich Jahre davor schon diese humane Ausbildungsform selber in ähnlicher Form zelebrierte und großen Erfolg bei Pferden damit hatte. Da kannte keiner einen Monty Roberts oder den Pferdeflüsterer! Im Übrigen hat der Kinofilm wirklich nicht viel mit unserer Arbeit zu tun. In einem Vorgespräch sagten Sie mir, dass Sie aber seitdem der Pferdeflüsterer auf dem Markt ist dieses auch bewusster einsetzen! Wolfgang Gnesner: Ja das ist vollkommen richtig! Ich wurde von meinen „Kollegen“ immer belächelt und alles was nicht mit der kommerziellen Ausbildungsmethode zu tun hatte wurde unter “tricksen” abgehandelt! Ich hatte deswegen einen relativ schlechten Ruf. Einige Kollegen waren überhaupt nicht gut auf mich zu sprechen, zumal ich dann die Pferde auch noch wieder so hinbekommen habe, dass sie schnell wieder funktionierten. Wenn Ausbilder ihren Kunden sagen, Verkaufe dieses Pferd, das hat alles keinen Zweck und ich bekomme das Pferd dann doch hin, dann stehen meine Kollegen natürlich etwas dumm da.
Was würden Sie dann Ihren Kollegen raten? Wolfgang Gnesner: Es gibt keinen Ausbilder der alles kann. Aber dadurch dass ich meine Fähigkeiten spezialisiert habe und mich fast ausschließlich nur mit schwierigen Pferden bzw. mit reiterlichen Problemen auseinandersetze, sehe ich mich nicht als Konkurrenten meiner Kollegen. Im Gegenteil, “meine Art” ist eine nützliche Bereicherung. Pferdbesitzer kommen mit ihren Problemen zu mir und wenn ich diese gelöst habe, gehen sie meist zu ihren Ausbildern zurück und setzten ihre Arbeit dort fort. Mittlerweile praktiziere ich dieses auch mit vielen Ausbildern. Andere haben es immer noch nicht verstanden und versuchen natürlich meinem Ruf maßgeblich zu schaden! Sie haben einfach Angst, eigene Kunden an mich zu verlieren! Aber wenn diese Ausbilder ihren Kunden nicht weiter helfen können, verlieren sie sie nach einiger Zeit doch und vor allem ganz, anstatt sich und ihren Kunden von mir helfen zulassen! Wie kamen Sie dann auf die Idee es anders zu machen? Wolfgang Gnesner: In der Ausbildungsskala steht der Begriff “Losgelassenheit”.  Diese „Losgelassenheit“ wurde bisher nur durch Reiten und deren entwickelnden Lektionen erreicht. Fast keiner der Ausbilder geht auf die Psyche der Pferde ein, weil sie meist keine Zeit dafür haben und es nicht mehr profitabel für die Ausbildungställe ist. Diese schwierig auszubildenden guten Pferde, werden meist an die Freizeitreiter weitergereicht, die dann natürlich ihre Mühe mit diesen Pferden haben.  Ich habe damals einige dieser Pferde gekauft und sie durch meine Methode relativ schnell wieder zu ihren Leistungen geführt! Durch diese Erfahrung  habe ich mir auch schon bei der Grundausbildung Zeit gelassen, um auf die Psyche der Pferde einzugehen! Ich habe sie durch meine Methode so abgelenkt, dass sie gar nicht gemerkt haben, dass wir arbeiten. Dadurch werden sie leicht reitbar und problemlos im Umgang! Was sagen Sie zu Monty Roberts und Andrea Kutsch? Wolfgang Gnesner: Dank Monty Roberts, wurde die Art der Humanausbildung salonfähig. Ich habe großen Respekt vor diesem wirklich außergewöhnlichen Mann. Das einzige was ich zu monieren habe ist, das Kommerzielle "kauft meine Bücher, kauft meine Videos, kommt in meine Shows und ihr könnt es auch". Wer ein ungehorsames-widersetzliches Pferd in einem engen Round Pen gesehen hat, oder auch Widersetzlichkeiten beim Verladen, weiß dass es auch zu äußerst gefährlichen Situationen kommen kann. Mit Andrea Kutsch habe ich schon einige Auseinandersetzungen gehabt. Sie ahmt zu 100 % Monty Roberts nach und haut ihn anschließend noch mit ihrer „Pferde gewaltfreien Akademie“ in die Pfanne! Respektlos! “Gewaltfreie Ausbildung” was  heißt das eigentlich? Wolfgang Gnesner: Es kann keiner so richtig erklären was eigentlich “gewaltfrei” heißt! Durch die Medien z.B. Cavallo usw.  und deren meines Erachtens falschen Aufklärung, sind alle schon so sensibilisiert, dass  wenn man stark am Halfter ruckt, sich die Leute schon aufregen! Es kann nicht sein , dass selbst wir, die die humane Ausbildungsform zelebrieren, schon als grob oder gewalttätig gelten. Es kommen ja fast nur Pferde zu mir, die nicht mehr zu händeln bzw. teilweise auch lebensgefählich sind. Wenn so ein widersetzliches gestörtes 600kg schweres Pferd  auf mich zu kommt und mich “töten” will, dann kann ich es nicht erst in Sanftmut singen! Ich verhalte mich in solchen Situationen wie seine Artgenossen, als wenn sich ein fremdes Pferd nicht in die Herde eingliedern will. Dort  geht es auch schon mal zur “ Sache” aber in der freien Natur würden sie sich nicht gegenseitig verletzen, es handelt sich mehr um Drohgebährten. Ich gebe zu, es sieht teilweise etwas wild aus, hat aber mit Gewalt oder sogar mit Schmerzen zufügen überhaupt nichts zu tun! “Respekt” schafft Vertrauen und das ist die nötige Basis einer guten Partnerschaft Mensch- Pferd, vor allem in der erfolgreichen Zusammenarbeit beider! Auch wenn ein Pferd sich erschreckt, muss es gelernt haben, einen Menschen nicht einfach umzurennen! Respekt ist erforderlich und dient vorallem der Unfallverhütung.
Sie haben einen etwas spektakulären Einstieg in die Reiterei gehabt. Wolfgang Gnesner: Ich bin ja  schon Geburtsjahr 1958 und ich habe erst nach meiner Motorrad Rennfahrerlaufbahn mit 26 Jahren angefangen zu reiten. Ich bin von Anfang an frei geritten und lag daher in dem ersten halben Jahr meist im Dreck. Habe mir aber immer gesagt:  “Wer beim Speedwayrennen ca. 30m unfallbedingt durch die Luft in die Zuschauertribühne fliegen kann und fast unverletzt bleibt,  braucht keine Angst zu haben vom Pferd zu fallen!” Durch das “bewußte” Reiten lernen, habe ich jede meiner Ausbildungsphasen heute noch genau im Kopf und weiß genau wie der Reiter denkt und fühlt! Es fällt mir viel leichter auf die Denkstrukturen der Reiter einzugehen und dessen reiterliches Gedankengut wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Zum Beispiel bei der Angstbewältigung vorm-, bzw. beim Springen, bei hohen Hindernissen oder einfach die mentale Einstellung beim Reiten. Ich erkläre daher den Reitern viel! Meine Philosophie ist, nur wenn der Reiter die Notwendigkeit seines “Tuns” erkennt, erziele ich ein gutes Resultat! Da reicht halt ein “Hacken tief, die Hände ruhig und mehr vor, mehr zurück” nicht aus! Wenn ich in der Bahn stehe, bin ich bis in die Haarspitzen angagiert und Spaß haben wir allemal dabei! Welchen Weg sind Sie bis heute gegangen und was machen sie jetzt? Wolfgang Gnesner:  1993 habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich pachtete das Gestüt Weide Grund bei Celle, um mich dem Reitsport effektiver zu widmen, allerdings musste ich mich auch um die Zuchtstuten und Fohlen von Anlagenbesitzer Dr. Klatt  kümmern. Danach bekam ich ein Angebot als Chefbereiter –festes Gehalt- feste Arbeitszeiten-das war natürlich viel weniger Arbeit, wie auf dem Gestüt wo ich mich um alles kümmern musste! Anschließend bekam ich natürlich immer bessere Jobs, München-  Regensburg usw.. Recht abenteuerlich war der Job als Chefbereiter auf dem Hof Herrenberg- Odenwald, dort wurden Dressur Grand Prix Pferde aus Russland, für den deutschen Markt „hergerichtet“ Eine etwas dubiose Zeit aber auch sehr lehrreich, was es den Toppferden anging! Den besten Job hatte ich allerdings bei einem überdimensional reichen deutschen Prominenten, den deutschen Top Geheimagent Richard Nelson alias Werner Mauss. Diese Reitanlage ist einmalig in Europa und alle die im Sport was zu sagen hatten, waren da und haben nur gestaunt! Ich trainierte die ganze Familie, musste für internationale hochrangige Politiker Pferdevorführungen auf der Reitanlage (Peter Fröhlich u. sein Zauberwald- Sissi- Dressur- Springen usw.) organisieren und wir tingelten VIP Turnier mäßig durch ganz Europa. Allerdings war es für mich der goldene Käfig und irgendwann war ich satt, mit dem Hubschrauber irgendwo eingeflogen zu werden! Es waren tolle Erfolge-eine tolle Zeit, die ich mit der Familie hatte aber wenn’s am schönsten ist, soll man ja bekanntlich gehen. Danach habe ich nur noch das gemacht was ich am besten kann, mich um die Pferde und Reiter gekümmert- mitunter war ich 6 Jahre lang, bis 2011 im Heimatverein von Markus Ehning in Borken Springtrainer. Gebe in den letzten Jahren wegen der höheren Effektivität aber nur noch Einzelunterricht in Dressur und Unterricht in kleinen Gruppen im Springen. Dazu bin ich vermehrt in meinem Spezialgebiet für Problemfälle bei Reitern und Pferden  unterwegs und halte unter anderem auch Vorträge. Seit 2016 gebe ich Shows über Reiter und Pferd, und bin damit der erste in Deutschland der eine Satire über die Reiterei bringt. Außerdem plane ich für 2018 Workshops am Pferd, wo ich jeweils 3 unterschiedliche Pferde mit Problemen vor Publikum arbeite und zeige, wie man human, auch schwierige Pferde therapieren kann.
Wolfgang Gnesner als Speedwayrennfahrer
Welche Ausbilder haben Sie dabei begleitet, um ihre heutige Kompetenz zu erlangen? Wolfgang Gnesner: Ich hatte das Glück durch meine Sponsoren, an wirklich gute Ausbilder zu kommen. Karsten Huck,  Olympia Zweiter, prägend in der gymnastizierenden Bodenarbeit. Conny Kugler- Ziehsohn von Hans Günter Winkler, mit seiner  sympathischen Art der Unterrichtsgebung. Desmond O; Brien von der Wiener Hofreitschule, Dressurausbildung in der Vollendung. Thies Kaspereit- Vielseitigkeit Olympia Mannschaft Sieger, vielseitiges Ausbilden des Pferdes. Dirk Hafemeister, Mannschaftsspringen Olympiasieger, ein durchsetzungs starker effektiver Ausbilder! Doppellongenausbildung, berittene Fahrschule, gelernt bei Celler Gestütswärtern.     Bill Bassham USA, der Mann nach Monty Roberts - humane Ausbildung statt Show. Und nicht zu vergessen meine Freundin Linda Tellington Jones, jeder Zeit einen  guten Rat! Diese Ausbilder waren maßgeblich daran beteiligt, dass ich Dressur bis M Kat.A und Springen bis zur Klasse S  gerittenen bin und heute erfolgreich Reiter und Pferd ausbilde kann. Aber am meisten haben mir die unzähligen Pferde jeden Tag von neuen gezeigt, was für das eine Pferd richtig ist, kann für das andere Pferd schon total falsch seien. Jedes einzelne Pferd hat mir soviel beigebracht, dass ich heute mit 59 Jahren über einen hohen Erfahrungsschatz verfüge!
Nächste Seite Nächste Seite
Zurück Zurück